Theresa Aklin

Gedanken über meine Person und meine Bilder

Wunderbar, sie malen!
Ja, ich male.
Was malen sie?
Diese Frage zu beantworten ist einfach. Ich male Blumen.
Jedermann kennt sicher jemanden, der auch Blumen malt. Somit ist das Frage- und Antwortspiel oft schon beendet. Man weiss, Frauen malen gerne Blumen!
Wie malen Sie?
Dieser Frage gerecht zu werden ist schwieriger. Bei Blumenbildern denkt man an herzige Bildchen, gemalt in zarten Farben, eher diskret. Man weiss, dass Frauen das lieben!
Meine Bilder sind alles, nur das nicht.
Meine Blumen sind eine Welt. Sie sind Landschaft, Ozean, Himmel und Wolken, Sturm und Sonnenuntergang, ausgerollt ins Unendliche. Sie sind intim und offenbaren verborgene Schönheit.
Ja ich male und finde diesen Beruf wunderbar. Es war schon immer das, was ich tun wollte, seit eh und je. Ich konnte mir schon als Kind nichts Schöneres denken, als von ganz nahe Blüten zu bestaunen, mich hineinzudenken, über die zarten Blätter mit den kräftigen Farben zu streichen.
Blüten und Farben berauschen meine Sinne. Mit meinen Bildern versuche ich dem Augenblick der Vollkommenheit ein kleines bisschen Ewigkeit zu verschaffen.
Man liebt meine Blumen, man fürchtet sich davor, man findet sie überwältigend schön, oder abstossend schreiend, aber ignorieren kann man sie nicht!

Untitled

Gefühlvoll eingetaucht in eine Blütenwelt voller Sehnsucht offenbaren die von satten Farben belebten Blumen die Unendlichkeit  transzendentaler Gestaltung. Theresa Aklin verbindet Wirklichkeit und Traumwelt mit einem Hauch von Zärtlichkeit . So lässt sie die im Licht der Sonne klar begrenzten Blütenblätter in der Unendlichkeit weiblicher Empfindung  des Seinsbewusstseins entgleiten und entrückt durch sanfte Abstraktion den Betrachter in eine Welt des Staunens. Was sich so kraftvoll entfaltet schwingt sich im von leuchtenden Farben getragenen Lichtermeer auf , Schwingungen im tiefsten Inneren erzeugend, der Schwere alles Irdischen entgleitend und doch verbunden mit dem Ursprünglichen einer Welt, die sich kreativ  verwirklicht und die Verbindung zur Realität nie verliert.

Wer hineinsteigt in die Tiefe einer dieser Blüten wird gleichsam vom Staub der Pollen befruchtet und vom Nektar aufgesogen. Schmetterlingsgleich schwingt er sich in die Höhe, als ob die schwingenden Farben die betörende Welt der Düfte erfahren liessen, Selbst und Überselbst diesseits und jenseits in die Arme schliessend. Theresa Aklin lüftet Geheimnisse des Herzens, ohne die Verbindung zum Ursprünglichen zu verlieren.

Hinter  dieser Welt findet sich eine Suchende, die auf dem Weg, im Begriff ist , Liebe zu säen, von der fruchtbaren Scholle ausgehend, sich vom Hauch des Göttlichen mittragen zu lassen. Gleichzeitig entwickelt sie die Kraft, Widerstände in Gegebenheiten zu verwandeln und diese formgebend so zu gestalten, dass der Betrachter in die Welt der bezaubernden Gefühle, gleichsam schwerelos, sorglos und in inniger Verbundenheit mit dem Natürlichen und Übernatürlichen, entrückt wird.

Diese Blumen stellen Fragen: Wer bist du? Wohin gehst du? Und ganz besonders:“Warum bist du?“ Diese Blumen machen durstig. Wer einmal von diesem Nektar getrunken hat, kommt immer wieder zu dieser Quelle zurück. Doch die Suchende weiss: Das Wasser einer fliessenden Quelle wird immer wieder neu geboren, es fliesst nicht einfach dahin; darin liegt der Hauch der Schöpfung. Im glühenden Licht der goldenen Abendsonne bereitet sich ein neuer Tag der Farbenpracht vor, die dem Ursprünglichen in nichts nachsteht. Von der Ewigkeit berührt schmiegen sich: Grün, Gelb, Rot, Violett, die ganze Farbpalette, gekrönt von einem betörenden Weiss, harmonisch in den Lebensweg des Betrachters, der sich diesem Kräftespiel lustvoll, neugierig und berauscht hingibt.    

Felix Riedel

Nahe dem Objekt

Feuerschlund zieht den Blick hinunter in die Tiefe einer Datura. Zartes Gelb faltet sich über noch zarterem in der Fülle von Rosenblättern. Wie der hufeisenförmige Wasserfall, der «horse shoe» des Niagara ergiessen sich grünblaue Ströme, umgeben von grüner Blumenblätterlandschaft hinunter in eine unergründliche Tiefe. So erlebt man die Blumenbilder, gemalt in Öl auf Leinwand. Die Malerin kommt ihrem Objekt, der Blume, der Blüte, dem Grund der Blüte, dem Blütenkissen, den Stempeln im wörtlichsten Sinne «ganz nahe». Durch diese Nähe verbindet sie ihre Malerei mit dem Wachstum der Blüte, verleiht ihnen durch die abstrahierende Grösse und Vielfalt der zarten Formen eine Art Dimension der Unendlichkeit.

Ausgerollt ins Unendliche

lm Herkömmlichen des «Jekami“, das die Altstadthalle kennzeichnet, wieder einmal ein Highlight: Der Bildhauer Ernst Aklin und die Malerin Theresa Aklin-Schweizer zeigen ihre Werke. Theresa Aklin malt Blumen. Allein das Thema könnte den Eindruck von sanftem Frühlingserwachen und vom typischen «Frauen malen gern Blumen» wecken. Doch was Theresa Aklin malt, sind nicht die üblichen Blumenbilder: Theresa Aklins Blumen sind, wie sie es selbst ausdrückt. «eine Welt. Landschaft. Ozean, Himmel und Wolken, Sturm und Sonnenuntergang, ausgerollt bis ins Unendliche». Die Blumenbilder sind intim, offenbaren verborgene Schönheit. öffnen sich aus dem Innern. Betrachtend taucht man ein in die Tiefe und auf den Grund einer Blüte, erlebt aus dieser Tiefe die ganze Fülle von Farbe und fühlt sich in Blütenblätter eingehüllt wie in ein locker gefaltetes Tuch.

Die Blumenbilder der Theresa Aklin sind grossformatig, entsprechend dem grosszügigen Gestus, mit dem sie ihr Blumenerlebnis in Malerei umsetzt. Einzelne Sujets sind tryptichonartig angeordnet, gleichsam eine zeitraffende Sequenz des Werdens und Aufblühens. Die Blumenbilder von Theresa Aklin sind – wenngleich sie so wissenschaftliche Namen tragen wie Bergenia. Datura, Gardenia oder Amorphophallus – mit nichts zu vergleichen, was man je an Blumenmalerei gesehen hat.

Annemarie Setz

Der Schönheit verfallen

Diese Gemälde wollen gefallen und auffallen. Sie locken, verführen, reizen – wie der Blütenkelch eine nektarsüchtige Hummel. Allein man darf sich von der vordergründigen Floristik dieser Malerei und ihrem gelegentlichen Zug ins Dekorative nicht irreführen lassen.

Theresa Aklin mag wohl von einer entfalteten Rose ausgehen oder von einer Engelstrompetenblüte im Stadium beginnender Welke. Doch ihre Malerei will mehr sein als Abbildung, Zierde, Schmuck. Sie will Hingabe. «Man soll in meine Bilder hineinschlüpfen», sagt Theresa, «darin herumkriechen, sich darin umtun, bewegen.» Deshalb der mikroskopische Gigantismus ihrer Werke, der den Betrachter zum insektenkleinen Winzling schrumpfen und ihn faszinierende Szenerien und Perspektiven erblicken lässt wie Gebirge und Abgründe, feurige Sonnenuntergänge, einen Wirbel ekstatischer Derwische – oder den stillen sandigen Uferstreifen, worauf der Ozean einen schaumigen Saum zurückgelassen.

Braucht man noch auszusprechen, wie unbefangen schön diese Bilder sind? Schön ohne Theorie. Schön ohne zeitgenössisches Naserümpfen. Theresa Aklin entdeckt das Schöne noch in der welken Blüte, die sie zufällig von der Erde aufliest, um sie – vielleicht – zum Ausgangspunkt ihres nächsten Werkes zu machen.

Patrick Frei (2010)

Sabra, Kaktusfeige

Im Sommer springen die Knospen auf. In leuchtendem Gelb entrollen sich die Blütenblätter. Sie entfalten sich langsam, sind zart und zerknittert. Erst gegen Mittag recken sie sich ausladend und verwegen, zeigen ihren Kelch. Rein und weiss, quellen die Staubfäden aus ihrer Mitte. Ungezählt sind sie! Sie tanzen dem Licht entgegen, umschmeicheln sich streichelnd, lassen sich wiegen.
Kraftvoll, aus unsichtbarer Quelle, saugen sie sich voll, werden langsamer, schwerer. In tiefem Violett neigen sie sich. Schon entzieht die Blüte ihren Blättern das leuchtende Gelb. Verblüht?
Die Blütenblätter, bar jeder Pracht, rollen sich um die verletzliche Mitte. Und nochmals, trächtig, erfüllt von fruchtiger Zukunft, leuchtet die aufgerollte Blume in feurigem Orange. Eine Sabra wartet der Reife entgegen. Eine Frucht, aussen violett, stachelig, abweisend, scheinbar ungeniessbar. Im Innern rot, saftig, zart und zuckersüss.

Peintures huile sur toile

Même si l’on est parfois tenté de dire que les fleurs sont faites pour les femmes, il est des femmes qui sont faites pour les fleurs. C’est le cas de Theresa Aklin qui, depuis des années plonge son regard dans les espaces opiacés de leurs corolles déployées.
Elle y promène sa pensée et ses rêves pour en rapporter de pleines brassées d’images de mers nacrées, de couchers de soleil éternellement déroulés à la surface des océans, des dégradés de grèves poissées d’écume, des ciels et encore des ciels, des franges de nuages, des paysages inventés.
« Qu’est-ce qu’une fleur ? », se demande-t-elle sans relâche.
« De quoi et comment est-elle faite ? »

Jean-Pierre CRAMOISAN, Critique d’art (extraits)

Untitled

Even though sometimes one is tempted to say that flowers are made for women, there are also some women who are made for flowers. The latter is the case of Theresa Aklin, who for many years has been looking deeply in the soporific spaces beneath the extended corollas of flowers.
In this atmosphere she lives her dreams and brings back armful of images; images of opulent seas, of eternal sunsets mirrored over the oceans, sandy beaches bathed in foam, skies, repeatedly skies plus fringes of clouds and enchanted countrysides.

“What is a flower?” she asked constantly “What is it made of and how? Could I through them find the cure for my troubled soul?”

“This flower that you seek to understand is perhaps a sweet heavenly orb that dances on its stalk,” answers a butterfly with a caress of its wings.

Undoubtedly, all the mysteries of the world have been conceived in the hearts of flowers. The secret gestation of the seeds, the fermentation of the sugars, colours and perfumes given in the space of a heartbeat, a glance into eternity – so speak the artist’s works.

The descent into the calyxes and into the spiralled cornets where the carpeted cavities are paved with voracious pistils is an obligation. In those depths, suffocated by silence, waves of pleats and creases, lie side by side or undulate over one another, like an envelope of fleshy material.
These intimate visions, dependent on the brevity of light, are sketched in hesitant hues, fragile and distressing, suspending at the extremities of the corollas, ready to fall in the dew hungry funnels.

The flowers are vaporized in the dusk of the dawn, they are cut up by the scissors of the frost, the flux of sunsets and the languor of the autumn afternoons. Crazy, lily – like with the iridescence of molten silver; they are also exalted, rusty, waxy, held together by the blond weight of the pollen. They open up at the edge of the nights like a woman’s sex, shivering under pearly lips, pregnant with seedlings.

The birth of other works is imminent.

Jean-Pierre CRAMOISAN